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Äpfelchen des Todes

Obwohl der kleine rosa Flamingo-Flughafen in Bonaire ziemlich voll geworden ist, da die puerto-ricanische Fluggesellschaft Seaborne viele ihrer Maschinen dorthin evakuiert hat wegen des Hurrikans Maria (zurecht, wie wir ja gesehen haben), sind wir problemlos mit unserer Pleitelinie Insel Air nach Curaçao gekommen.

Die Hauptstadt Willemstad hat eine sehr enge Hafeneinfahrt, die von einer auf Pontons schwimmenden Fußgängerbrücke überquert wird. Immer wenn ein Schiff durch will, wird die ganze Brücke zur Seite gefahren und liegt dann parallel zum Ufer. Da schieben sich die Riesenschiffe durch die Stadt, während die Fußgänger mit einer Fähre auf die andere Seite gebracht werden. Ein bisschen umständlich, aber ein echtes Schauspiel.

Heute haben wir, während Ihr alle schön wählen gegangen seid (haben wir natürlich vorher schon gemacht), die Nordhälfte Curaçaos erkundet. Die Küste ist wild, die Tiere auch, aber zutraulicher als bisher, und die Pflanzen gefährlich.

Wir sind immer wieder auf Bäume gestoßen, die dick und fett mit Schildern als giftig markiert waren: Manchinelbäume. Davon sind alle Teile hochgiftig, sogar so schlimm, dass man blind werden kann, wenn man damit Feuer macht und den Rauch in die Augen kriegt. Wenn man im Regen drunter steht und es tropft was vom Baum auf die Haut gibt es Verbrennungen. Deshalb heißen die ein bisschen wie Äpfel aussehenden Früchte auf spanisch auch "Manzanilla de la muerte", also "Äpfelchen des Todes".

Hier gibt es sehr viele Leguane, deshalb ist es auch nicht verboten, sie zu essen. Zur lokalen Küche gehört nicht nur Leguansuppe, sondern auch Eintopf und ich will nicht wissen was sonst noch alles. Aus unserer Reisegruppe hat sich kein Freiwilliger gefunden, der das probieren wollte 😉, deshalb beschränken sich die Fotos auf die Speisekarte und die lebenden Exemplare. Wie eigentlich alle Tiere lebend bessere Fotomotive abgeben.

Die Pistolero's Ravine heißt so, weil sich die Wellen, wenn sie brechen, anhören sollen wie Pistolenschüsse. Na ja, eher wie von so einer Flinte aus dem vorletzten Jahrhundert, aber mit ein bisschen Phantasie...

Wenn man so die Straßen entlang fährt könnte man eigentlich ständig halten, um die schönen bunten Häuser zu fotografieren. Geht aber meistens nicht, irgend jemand ist ja meistens hinter einem, und außerdem kommt man dann gar nicht mehr vom Fleck. Im Gegensatz zu heute waren früher alle Häuser weiß, bis es der Gouverneur der Insel 1817 verboten hat, da es in der Sonne zu sehr blenden würde. Seitdem sind alle bunt gestrichen worden, die neueren noch bunter als die alten.

Zwei mehr oder weniger wichtige Probleme verfolgen uns schon fast den ganzen Urlaub: Musik und Bier.

Es gibt einigermassen viele Biersorten, die bis auf das in Aruba gebraute Balashi alle importiert sind. Man bekommt Bier aus Europa, USA, Mexiko, Venezuela und von einigen karibischen Inseln, und sie schmecken auch überwiegend gut. Ich habe bestimmt schon mal erwähnt, dass es hier schwül und heiß ist, man hat ständig Durst. Aber wenn man nach literweise Wasser den Tag über abends beim Essen in die Bierflasche guckt ist sie immer leer. Die gängigen Größen sind zwischen 200ml und 275ml, ein Fläschchen mit 330ml ist schon die ganz große Ausnahme! Da wollen wir uns nicht dran gewöhnen. Nils behauptet er sei an der Verdunstung gar nicht beteiligt gewesen.

Und für ihn ist Musik im Auto eigentlich auch ein Muss. Nachdem sein Radio-Einbau im Auto auf Bonaire schon nichts geholfen hat, ist es hier auch wieder ein Problem. Das Radio hat eine abnehmbare Front (zum Diebstahlschutz), die einer unserer Vormieter endgültig abgenommen hat. Die ganzen Haken, die sie halten sollen, sind abgebrochen, das Teil fällt einfach runter. Also hat der Herr Ingenieur im Baumarkt doppelseitiges Klebeband gekauft, jetzt hält es wieder. Allerdings nur bis zum nächsten Schlagloch, aber dann kann man es ja wieder dran drücken.

4 comments

... ich habe mir schon überlegt wie es mit dem Kabelsalat wohl weitergeht ;-) ich sehe euch beim nächsten Urlaub schon mit einem weiteren Elektrogerät verreisen ... oder vielleicht auch nur mit einem McGyver-Set :-)) ...könnte ihr inzwischen auch schon ein bischen Holländisch sprechen? ...da bekommt das Sprichwort tief in die Flasche geguckt eine ganz neue Bedeutung

So ein MacGyver-Set haben wir eh schon, wenn man unseren Koffer so anguckt, seit neustem auch Doppelklebeband. Holländisch begegnet uns hier gar nicht so häufig, das meiste ist Papiamentu (ein Kreol aus Spanisch, Portugiesisch, Holländisch und Englisch) und Spanisch. Aber mit Englisch kommt man sehr gut klar. Und die Flaschen sind nicht tief, das ist ja das Problem!

...Ich hätte da noch eine Frage zu der Speisekarte: was genau ist denn papegaai vis? Und habt Ihr schon Seeschlange probiert?...Viele Grüße auch von uns :)

Das ist Papageifisch, die großen blau-grün-bunt gemusterten, von denen wir vor ein paar Tagen auch schon ein Bild im Blog hatten. Und für Seeschlange hat sich auch noch kein Freiwilliger gefunden.

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