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Miss Daisy und ihr Chauffeur

Das hier wird länger, der letzte Fleck mit Zugang zum Internet ist schon ein paar Tage her.

Ihren Chauffeur hat Miss Daisy im Outback nicht etwa, weil sie den Wagen rückwärts eine Terrasse tiefer beim Nachbarn „geparkt“ hat, sondern damit ihr nichts von der Aussicht entgeht und wir wenigstens ein paar Fotos von den Fahrten mit nach Hause bringen. Ganz im Gegensatz zum Film würde das äußere Erscheinungsbild unseres Toyotas ziemlich davon profitieren, wenn Siggi die ganze Zeit über am Steuer sitzen würde: dann wäre der Matsch nämlich noch dort, wo er hingehört, also auf der Straße.

Überhaupt gibt’s den Matsch auch nur, weil letzte Nacht der erste Regen in Zentralaustralien seit etwa 8 Monaten gefallen ist, und dazu ist es auch noch bitterkalt. Zum Glück haben wir einen Teekessel im Auto, den können wir gerade echt brauchen. Warum kein Geschirrhandtuch mitkam ist auch klar, das, was wir nachgekauft haben, trocknet eh nicht.

Heute sind wir den Mereenie Loop gefahren, eine größtenteils unbefestigte Straße, für die man eigentlich einen Permit kaufen muss, weil sie über Aboriginal Land geht – nur sind die Permits seit 2 Monaten ausverkauft und es gibt keinen Nachschub aus Alice Springs, also hat man uns einfach so fahren lassen. Zum Glück haben wir bis jetzt noch überall Sprit bekommen, wo wir wollten, aber vielleicht ist das Geschäft mit Treibstoff auch lohnender…

Im Nachhinein wundert es mich auch, dass der Loop fast trocken war: den neuen Anstrich hat unsere Kiste erst danach auf dem Abstecher zur Redbank Gorge bekommen. An den Hängen der Schlucht sind uns zum ersten Mal Felskängurus begegnet, die sind wohl eigentlich recht scheu, haben sich aber weder von uns, noch von der Gruppe johlender Jugendlicher, die uns dort überholt hat, so recht stören lassen.

Sonst kann man hier im Zentrum auch Dingos begegnen, das sind Wildhunde, die auf ungeklärte Weise lang vor den europäischen Siedlern auf den Kontinent gekommen sind, oder „Brumbies“, verwilderten Nachfahren von Pferden, die ihren Haltern entwischt sind oder ihrem Schicksal überlassen wurden, nachdem man sie nicht mehr brauchte.

Aber mal der Reihe nach: Nachdem wir den Sonnenuntergang am Uluru (Ayers Rock) gerade noch zu Gesicht bekommen haben, haben wir tags drauf erst mal der etwa 50 Kilometer entfernten Felslandschaft „Kata Tjuta“ einen Besuch abgestattet. Einem Reiseführer zufolge ist ihr einziger Makel die Nähe zum weitaus bekannteren Uluru, aber ob das wirklich ein Makel ist, sei mal dahingestellt: weil viele Besucher sich den Weg dorthin sparen, ist Kata Tjuta lang noch nicht so überrannt und so hatten wir bei der Wanderung durchs „Valley of the Winds“ die Landschaft wenigstens zeitweise mal für uns.

Auf dem Rückweg haben wir Uluru wieder bei Sonnenuntergang erreicht und das Spektakel noch mal unter völlig anderen Umständen mitgemacht: bei wolkenlosem Himmel strahlte „The Rock“ so rot, wie man ihn von Postkarten kennt. Vielleicht nicht mehr ganz so überwältigt wie beim ersten Mal, haben wir uns unter unserem Mitpublikum umgesehen. Die „Sunset Viewing Area“ ist dann proppenvoll mit Autos, und wenn’s das Dach aushält, setzt man sich halt mit Bier und Stühlchen drauf.

Nur von der Viewing Area aus wollten wir uns den Fels natürlich nicht ansehen, dafür wären über 400km Anreise von Alice Springs ganz schön happig (Postkarten sind da billiger), also haben wir ihn am nächsten Tag umrundet und so aus der Nähe sieht er schon noch mal anders aus. Zuerst mal fällt einem eine fast ununterbrochene Schlange Leute auf, die, völlig entgegen der Wünsche der Aboriginevölker, denen er traditionell gehört, oft aber auch ihrer eigenen Fähigkeiten, den Berg an einer Seite hoch- und runterkrebsen. Ein Anblick, der ab nächsten Monat der Vergangenheit angehört, da Besteigungen dann nicht mehr gestattet werden. Außerdem sieht man bei der Umrundung natürlich viel mehr Details, die einem so im großen Ganzen nicht auffallen, auch aus ganz anderen Perspektiven, und erfährt eine Menge über die Bedeutung bestimmter Plätze am Berg in der Tradition der Ureinwohner. Ganz spannend ist auch, wie viele Pflanzen es hier gibt, trotz der großen Hitze und Dürre im Sommer. Die wohl beeindruckendste davon ist die Wüstenkasuarine, die als schmales, unscheinbares Etwas mit den Blättern ganz dicht am Stamm anfängt, bis sie zu einem stattlichen Baum heranwächst, dessen Wurzeln bis zu 80 Meter tief reichen, um sich auch in Trockenzeiten mit ausreichend Wasser zu versorgen.

Auf dem Weg hierher waren wir gestern im Kings Canyon. Die Schlucht ist eine tolle, grüne Oase, die an ihrem Ende mit dem „Garden of Eden“ ihren Höhepunkt samt Wasserpool hat. Zugänglich ist dieser Teil nur als Abstecher vom Rundweg über die Ränder, der zu einem guten Teil durch einen natürlich entstandenen Felsenirrgarten führt. Als wir zurück am Parkplatz waren, hat ein kleiner „Willy Wagtail“ (Gartenfächerschwanz) Siggi aufs Korn genommen und uns fast bis zum Auto verfolgt, vielleicht sind wir seinem Nest zu nahe gekommen, oder er hatte einfach einen schlechten Tag. Die etwa 20cm kleinen Vögel sind sehr territorial und nehmen es regelmäßig mit weitaus größeren Gegnern auf, wenn sie sich durch diese gestört fühlen. Das kann eine Krähe sein, das haben wir am Garden of Eden gesehen, oder, wenn sie Pech hat, Siggi, oder im Extremfall ein Keilschwanzadler, ein Greifvogel, der bis zu 2,5 Meter Flügelspannweite besitzt.

Die Aussicht auf den Kings Canyon wurde nur davon getrübt, dass alle paar Schritte vor den Gefahren an Klippen gewarnt werden musste, weil ja keiner von allein auf die Idee kommt, dass man sich bei einem Sturz mehr als nur blaue Flecken zuziehen kann. Irgendwie beißt sich dieser beinahe schon zwanghafte Drang zur Bemutterung mit dem Bild, das wir von Australiern als einem eher lockeren und lässigen Typ Mensch haben.

Morgen geht’s zurück nach Alice Springs, wo wir unsere Vorräte aufstocken für die kommende Woche. Da ihr das lesen könnt, gab’s dort auch wieder Internet. 😀

2 comments

Moin. Das ist ja wieder total beeindruckend. Wir immer klasse Fotos. Und Willy stand bestimmt nur auf Siggi und war etwas zu forsch...

😍🤢💕🔥🌅🌄🐕🦅🏕️👍🏞️🤗📷🙋😘😘

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