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Das Top End

Wenn uns jetzt jemand fragen würde, wie es uns geht, wäre die Antwort fast stündlich eine andere. Die Stimmung schwankt, zwischen wunderschön und total kacke haben wir in den letzten Tagen alles erlebt.

Es ist extrem heiß geworden, wir haben an die 40 Grad und nachts kühlt es auch nicht richtig ab. Besonders Nils leidet unter der Hitze, er kann nicht richtig schlafen und hat oft Kopfweh. Dass wir am Anfang des Kakadu National Park erst mal auf einer schlechten Piste eine Stunde lang zu einem Camp gefahren sind, wo die Hauptattraktion der Gegend gesperrt war und wir im dichten Rauch eines Buschfeuers übernachten mussten, das irgendwo in der Nähe war, hat nicht geholfen. Das Zelt stinkt immer noch. Zu allem Überfluss gibt es hier mehr nervtötende Fliegen als irgendwo vorher, und auf den Pisten schüttelt es alles durch. Dabei ist uns dann auch noch eine halbe Flasche Spülmittel in die schön mit Teppich ausgekleidete Schublade im Auto ausgelaufen, wo das Geschirr drin ist. Alles so schön schmierig... geht auch nicht wirklich wieder raus.

Als Tribut an die Hitze haben wir beschlossen, nur noch kurze Spaziergänge zu machen und anstatt in Buschcamps auf Campingplätze zu gehen, die Duschen haben, und gestern und heute hatten wir sogar einen Pool! Sich abkühlen zu können hebt Nils' Stimmung erheblich.

An sich ist es auch nicht die beste Zeit für einen Besuch im Top End, wie die Gegend um Darwin im äußersten Norden auch heißt. Es ist Ende der Trockenzeit, und überall sind Wasserfälle ohne Wasser, Billabongs (Wasserlöcher) ohne Wasser und vertrocknete Pflanzen. Man kann halt nicht alles haben... Trotzdem gibt es noch schöne Dinge zu sehen, zum Beispiel einige sehr alte Felsmalereien der Aborigines. Die schönsten darf man nicht fotografieren, aber ein paar doch.

Und es gibt die Yellow Water Wetlands, wo das Wasser als einziges ganzjährig nicht verschwindet. Da sammeln sich dann die meisten Tiere der Gegend, vor allem Vögel und Krokodile. Hier herrscht die höchste Dichte an "Salties", den großen Leisten- oder Salzwasserkrokodilen, derentwegen man überall im Norden nicht schwimmen kann, weder im Meer noch in Flüssen oder Seen. Sie liegen regungslos im Wasser, nur die Augen draussen oder komplett untergetaucht , und man sieht sie überhaupt nicht. Auch wenn man denkt, man hat ja geguckt, hier ist keins, kann es direkt vor einem liegen.

Wir haben eine Bootstour auf diesen Wetlands gemacht, und dabei so viele Tiere gesehen, wie wir sonst nie gefunden hätten, unter anderem auch die Krokodile aus einer Nähe, die sonst lebensgefährlich wäre. Es gibt dort vor allem sehr viele Vögel, große Mengen an Gänsen, aber auch Pelikane, Seeadler, Eisvögel, Reiher und sehr niedliche kleine Vögel, die auf langen Beinen über die Lotusblätter laufen, als könnten sie übers Wasser gehen. Das sind Blatthühnchen, die deswegen hier auch Jesus Bird genannt werden.

Große Flächen sind mit Lotusblumen und Seerosen bewachsen, die wunderschön blühen. Auch Landtiere sind da zu bewundern, wo der Boden fester ist, und so stehen Wallabies beim Grasen friedlich neben Pelikanen und Wasserbüffeln, das sieht irgendwie seltsam aus.

Noch etwas Schönes war das Little Roper Stockcamp, wo wir vor dem Nationalpark übernachtet haben. Eine total chaotische, eben typisch australische Farm, wo es viele seltsame "Haustiere " gab. Sie hatten Gleithörnchen, Echsen, Schlangen und ein paar Büffel, die sie von irgendwo gerettet haben. Eine Python heißt "Parrot", weil sie mal aus ihrem Käfig entwischt ist und den Papagei gefressen hat, also ist sie jetzt der Papagei. Die Farmerin hat morgens zum Frühstück für alle Puff-da-Loons gebacken, das ist so was ähnliches wie Krapfen, und der Herr des Hauses hat am Feuer Tee gemacht.

Außerdem haben wir dort Frösche getroffen, die durchaus faustgroß sind und in der Kloschüssel wohnen. Da ist guter Rat teuer, wenn man muss. Meine Lust, sich da draufzusetzen, hielt sich in Grenzen, aber wenn man dann sieht, wie sich dieses Riesenvieh einfach in den Wasserzulauf verzieht, man nix mehr sieht, aber trotzdem weiß, dass es da ist, wünscht man sich die trockenen Plumpsklos der Buschcamps zurück.

Hier gibt es nicht nur die größten Frösche, Termitenhaufen und Krokodile, sondern auch wirklich enorme Roadtrains.

Und das wahrscheinlich größte Alkoholproblem des Landes existiert ebenfalls im Northern Territory. Alkohol kann man überall in Australien, wie in vielen anderen Ländern ja auch, immer nur in speziellen Liquor Stores kaufen, und auf öffentlichen Plätzen trinken ist nicht überall erlaubt. In diesem Teil hier gibt es aber ganz besondere Regeln und Gesetze. Man muss immer eine ID vorzeigen, wenn man was kauft, die wird dann mit einer offiziellen Alkoholikerliste abgeglichen, und wenn man da draufsteht gibt es nix. In jedem Liquor Store sitzt den ganzen Tag ein Polizist, in Alice Springs waren es abends sogar fünf! Man darf noch nicht mal auf allen Campingplätzen sein Bierchen trinken, und wo wir heute sind haben wir für die Bar eine "Alcohol Card" bekommen, die uns als Bewohner des Campingplatzes erlaubt, was zu bestellen.

3 comments

Lieber Nils ich hoffe dir geht es wieder besser - Kopfschmerzen sind echt blöd, tut mir echt leid für dich. Mir geht immer wieder das Herz auf wenn ich die Bilder sehe und denke auch gerne an meine Zeit in Australien zurück - mit euren Bilden ist es als wenn es gestern gewesen wäre... Genießt eure letzte Woche. Ich wünsche euch noch schöne Tage und schöne Bilder.

Sehr schöne Fotos, vielen Dank. In Deutschland ist es übrigens gerade sehr angenehm temperiert. Und Krokodile hat es eher selten. Bin ich auch gar nicht so scharf drauf, denen in freier Wildbahn zu begegnen...

Wir danken Euch für die vielen Kommentare, immer schön zu hören dass es jemanden interessiert und vielleicht auch beschäftigt, was wir schreiben und zeigen 😊.

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