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Schlimmer geht immer

Nachdem wir jetzt beide einigermaßen wieder gesund sind und anfangen wollten, den Urlaub richtig zu genießen, kommt der nächste Mist. Als wir gestern früh unser Auto aus der Tiefgarage am Hotel wieder abholen wollten, haben wir feststellen müssen, dass unsere E-Bikes vom abgeschlossenen Fahrradträger am Auto in der videoüberwachten Garage geklaut worden sind.

Zuerst konnten wir es gar nicht glauben, mussten es dann aber wohl oder übel und uns überlegen was wir jetzt machen. Der Tag gestern war deshalb dem Projekt gewidmet, eine Anzeige bei der Polizei aufzugeben, was sich als etwas schwierig herausstellte. Die in Barcelona waren überhaupt nicht motiviert und haben uns mitgeteilt, wir müssten jetzt so ein bis drei Tage warten, bis vielleicht jemand käme, der Englisch spräche, wir könnten es aber auch woanders versuchen. Also sind wir zu dem nächsten Ort gefahren, wo wir eigentlich hin wollten, und haben es dort wieder probiert. Dort hieß es, prinzipiell ginge das, nur nicht jetzt, und wir bräuchten sowieso einen Online-Termin. Ok, haben wir gemacht. Bei dem Termin heute Mittag ging es dann erstaunlicherweise recht einfach, es gab sogar zweisprachige Formulare auf Spanisch und Deutsch. Jetzt sind wir also anstatt stolzer E-Bike-Besitzer stolze Besitzer eines vierseitigen Anzeigeformulars mit vielen Stempeln.

Aber jetzt mal zu was Schönerem: Wir sind bis auf eine Erkältung, die Nils sich zusätzlich eingefangen hat, wieder fit, und so konnten wir noch wenigstens anderthalb Tage Barcelona erkunden. Wir finden ja Jugendstil cool, und davon gibt es hier eine Menge. Antoni Gaudí hat sich nicht nur mit der Sagrada Familia verewigt, sondern vorher zahlreiche andere exzentrische Gebäude geschaffen.

In der Casa Milà haben wir eine Nachtführung gemacht, wo auf der Dachterrasse eine Lichtshow dazugehört. Verschiedene Motive werden auf die ganzen Kamine projiziert und sollen die Inspiration Gaudís zeigen, die er in der Natur gefunden hat.. Das Haus selbst ist ein riesiges Apartmenthaus, das das steinreiche Ehepaar Milà ab 1906 erbauen ließ. Die luxuriösen Wohnungen wurden vermietet, und die Mietverträge können bis heute in der Familie vererbt werden, ohne weitere Mieterhöhungen außer dem Inflationsausgleich. Deshalb wohnen dort immer noch Leute, obwohl das Haus längst UNESCO-Welterbe ist und eigentlich komplett zum Museum gemacht werden soll.

Ein weiteres Highlight ist der Palau de la Música Catalana. Das ist ein Konzerthaus im buntesten Jugendstil und sehr sehenswert.

Wie wir bereits erwähnt haben, ist es hier schwierig, tagsüber eine Stadt zu besichtigen. Es ist gefühlt der ganze Tag Siesta, immer hat alles zu. Was allerdings geht ist der Markt, der macht zu, wenn andere wieder aufmachen.

Es gibt eine super Metro in Barcelona. die fährt alle 3-5 Minuten bis Mitternacht, davon können wir zu Hause nur träumen. Aber was uns wirklich überrascht hat ist die Auslastung bzw. die Zeiten. Fast den ganzen Tag über ist die angenehm leer, aber wehe man will abends um halb zehn fahren! Da muss man quetschen, um reinzukommen, und sogar um halb zwölf ist sie noch richtig voll. und man sieht lustige Leute.

Nach der Sache mit den Fahrrädern haben wir uns ernsthaft überlegt, einfach heimzufahren, irgendwie hatten wir keinen Bock mehr. Aber wir haben uns wieder beruhigt und beschlossen, wenigstens ab jetzt den Urlaub noch zu genießen und uns die Laune nicht verderben zu lassen. Schließlich hatten wir uns echt drauf gefreut, und eigentlich ja noch eine starke Woche übrig. Deshalb haben wir dann heute in der Weinregion, in der wir gerade sind, eine Kellerei besucht. Hier wird der Cava hergestellt, der gemacht wird wie Champagner und früher auch so hieß. Jetzt darf er das natürlich nicht mehr.

Wir haben im Touristenbüro nachgefragt, wo es heute noch eventuell eine Führung auf Englisch gäbe, und da haben wir dann ganz für uns alleine sozusagen eine Privattour gekriegt. Mit anschließender Verkostung von Cava und auch den Weinen, die sie dort machen. Ich muss gestehen, dass ich bisher kein Fan von spanischen Weinen war, und das hat sich heute auch nicht geändert, aber der Cava hat uns beiden so gut geschmeckt, dass wir gleich noch einen Karton mitgenommen haben. Und da wir ja beschlossen haben, ab jetzt den Urlaub zu genießen:

Prost!

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